Klaus nicht zu Haus


Stillstand in Delhi
März 2, 2008, 5:24 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Delhi, Indien, Reisen

Das keine Missverstaendnisse entstehen: Delhi steht alles andere als still. Hier herrscht ein Uebermass an Verkehr, Laerm, Geruechen, Menschen, Stimmen, Geschaeften … an Leben und Geschaeftigkeit. Als ich meinen Fuss das erste mal vom Hotel auf die Markstrasse Pahar Ganj setzte und Richtung Bahnhof wanderte, war ich nur noch darauf konzentriert, den Rikschas, Taxis, Kuehen und Menschen auszuweichen und alles andere auszublenden. Es waren einfach zu viele der Eindruecke, als das ich alle an mich heranlassen konnte.

Heute machte ich einen Spaziergang von New Delhi nach Old Delhi. Und wieder das gleiche Phaenomen: Ohren, Augen und Nase machten dicht und konzentrierten sich auf den Verkehr und das Vorwaertskommen. Ich beschloss auf der Eisenbahnbruecke stehen zu bleiben und meine Sinne zu oeffnen. Und siehe da: keiner sprach mich, an keiner ueberfuhr mich. Endlich begann ich meine Umwelt an mich heranzulassen und bisher Ubersehenes wahrzunehmen: Die Lastentraeger, die hochbeladene Karren ueber schlaggeloecherte Wege zerren und die Ladung verlieren, wenn sie die Kurve zu scharf nehmen; die streunenden Hunde auf der Suche nach Nahrung; die heimatlosen Kinder, die sich in dreckige Taschentuecher schnueffelnd berauschen und die Koepfe nach Laeusen absuchen; die buerokratischen Buerokraten, die im Schatten sitzen und Formulare in 5-facher Ausfertigung ausfuellen, waehrend die Lastentraeger in der Sonne schwitzen.

Ja, wenn ich von Indien mehr sehen will, muss ich stillstehen.


1 Kommentar bis jetzt
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Hallo Klaus,
ein unwirkliches Gefühl beschleicht mich beim Lesen Deines ersten Berichtes.Als wärst Du in einen Bericht des Weltspiegels geschlüpft,wo ich Ähnliches schon gesehen und gehört habe.Jetzt aber
widerfährt Indien dem Klausowitsch,der alten Socke!ganz privat und gleichzeitig halb öffentlich.Amazing……
Deine Geschichte vom Wert der Entschleunigung für Deine Wahrnehmung ist natürlich ganz nach meinem Geschmack,
gespannte Grüsse und bis bald, Majella
PS: Ude hat die Kommunalwahlen gestern haushoch gewonnen

Kommentar von Majella Weber März 3, 2008 @ 12:43 Uhr nachmittags



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