Ich wohne hier in Rishikesh in einem herrlichen Zimmer auf einer Steilklippe 20m ueber dem Ganges. Links blicke ich auf eine schmale Haengebruecke, die die beiden Ufer verbindet. Gegenueber reiht sich ein Ashram an den anderen.
Morgen ist ein wichtiger, Shiva gewidmeter Tag. In der Neumondnacht wird die Hochzeit zwischen Shiva und Parvati gefeiert. Seit einigen Tagen stroemen anwachsende Massen an Pilgern in die Stadt und zwaengen sich ueber die schmale Haengebruecke, beiseite gedraengt durch kreischende Hupen von Mofas, die den Platz auf der Bruecke fuer sich beanspruchen. Die Frauen sind in leuchtend gelbe, mangenta, orange und blaue Saris gehuellt. Affen hangeln sich an den Drahtseilen der Bruecke entlang und betteln. Ein dunkler Schatten unter der Wasseroberflaeche markiert die Stelle, an der grosse Fische auf heruntergeworfenes Futter warten.
Die Pilger besteigen die Tuerme der zwei groessten Ashrams gegenueber und schlagen an jedem Stockwerk eine der vielen Glocken an, uebertoent von der Musik aus Lautsprechern der uerberfuellten Pilgerbusse, die auf der Strasse am Berghang zum Neelkanth-Tempel fahren, ein wichtiges Ziel der Shivaratri- Pilgerfahrt.
Am Gangesufer nehmen manche Piger ein rituelles Bad an einer der vielen Badestellen. Daneben am Gangesstrand die von der Waescherei zum Trocknen ausgelegten Betttuecher. Kinder, die den ueberall ueber die Mauern geworfenen Muell nach verwertbarem dursuchen. Gefolgt von Affen, Kuehen und Ratten.
Das ist der Blick aus meinem Fenster.