Klaus nicht zu Haus


Tempel am Fliessband
März 19, 2008, 2:42 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Indien, Puja, Reisen, Tempel

Haridwar ist eine der heiligsten Staedte Indiens und damit Ziel vieler indischer Pilger. Sie liegt dort, wo der Ganges vom Himalaya in die Ebene fliesst und ist alle 12 Jahre Schauplatz des groessten Religionsfestes der Welt, der Kumbh Mela. Gleichzeitig ist sie nicht Station vieler auslaendischer Touristen und hat sich damit ihre Authentizitaet weitgehend bewahrt.

Ich laufe vom Ufer des Ganges zum Mansa Devi Tempel, der sich hoch ueber der Stadt auf einem Huegel erhebt. Entlang des sich in grosssen Kehren hinaufziehenden Weges finden sich viele fliegende Haendler, die den Besucher mit Opergaben fuer den Tempel versorgen: Blumen, Ketten, rote Plastiktueten, gefuellt mit einer Kokosnuss, Flitterbaendern und Ringelblumen.

Ich ueberhole einen Pilgerer, der sich in einer Folge von Liegestuetzen auf dem Bauch zum Tempel bewegt. Er legt sich hin, legt einen Stein vor sich, steht auf und macht einen Schritt zum Stein. Dann wiederholt sich die Prozedur.

Am Tempel angekommen ziehe ich meine Schuhe aus und begebe mich, der unaufhoerlichen Schlange der Piger folgend, ins Innerste. Ich bekomme am Eingang - gegen donation natuerlich - eine Puja: einen roten Fleck auf die Stirn, ein gemurmeltes Mantra und ein paar mal kraeftig auf den Ruecken geklopft. Der naechste Bitte.

Ein paar Meter weiter, im Zentrum des Tempels, finde ich mich ploetzlich eingeklemmt in der sich stauenden Menschenmasse. Am Fliessband werden hier die auf dem Weg nach oben gekauften Opfergaben abgegeben, die ein gelangweilt guckender Brahmane auspackt und auf verschiedene Haufen sortiert. Zwei grosse 60er-Jahre Kuechenuhren haengen uber der Tempelikone und geben wahrscheinlich Arbeitszeit und Teepausen vor.

Ob die Gaben wohl wiederverwendet werden? Bei meinem weiteren Streifzug durch den Tempel stosse ich zumindest auf einen grossen Raum mit einem Berg der roten Flitterbaender, die in der Opfertuete enthalten waren.