Klaus nicht zu Haus


Petite Bourgeoisie
März 24, 2008, 3:48 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Indien, Mittelstand, Reisen

Karfreitag, Holi und Sonntag. Drei Tage am Stueck frei in Indien - und wer es ich leisten kann, entflieht der gluehenden Hitze in Delhi. Nicht wenige dieser Fluechtlinge treffe ich in Nainital, einer 1841 von den Briten gegruendeten Hillstation im Himalaya.

Nainital ist ein kleiner, von bewaldeten Bergen umgebener See, den man in einer Stunde umwandern kann. Da Seen in Nordindien aber eine Seltenheit sind, ziehen sich an einer Uferseite an die 100 Hotels den Hang hinauf. Der Rest des Ortes besteht aus Restaurants, Souvenirshops und exklusiven Modeboutiquen.

Und an diesen Tagen treffe ich auf ein ganz anderes Indien, die Petite Bourgeoisie, wie sich der Mittelstand selbst in Indien nennt - so erklaeren es mir zumindest drei junge Aerzte aus Dehradun, die mich in ein langes Gespraech ueber Marx, Engels und Turbokapitalismus verwickeln.

Die Ruhe und Gelassenheit, die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit gegenueber Anderen, die Bescheidenheit - nichts davon ist hier zu spueren. Die wenigen Tempel, die es hier gibt, sind kaum frequentiert. Umsomehr dafuer die Andenkengeschaefte, in denen man Tannenzapfenkerzen und anderen Krimskrams erwerben kann. Die Seilbahn, die auf einen Aussichtshuegel fuehrt. An die hundert Tretboote in Form von Schwaenen, Drachen und Fischen, mit denen man ueber den See schippern kann. Abends muss ich anstehen, damit ich meinen Hunger stillen kann. Und die Strassenstaende mit Pakoras, Samosas, Thalis oder anderen Leckereien scheint es hier nicht zu geben.

Ich fliehe nach einem Tag aus Nainital gen Norden, aber auch das ist Indien und es war interessant es gesehen zu haben. Immerhin gehoeren inzwischen an die 25% aller Inder der Petite Bourgeoisie an.


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