Klaus nicht zu Haus


Eingesperrt
April 21, 2008, 2:41 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Himachal Pradesh, Indien, Reisen, Tibet

Dem Kommentar des treuen Lesers Walter entnehme ich, dass die Vermutung umgeht, ich haette meine Schreinbtaetigkeit eingestellt. Fakt ist, dass die letzten 10 Tage ohne Internetzugang waren.

Tabo, der Ort, an dem ich mich freiwillig und unfreiwillig aufgehalten habe, liegt im “indischen Tibet”. Die Grenze zu Tibet ist nicht viel mehr als 10 km entfernt. Sprache und Schrift sind tibetisch. Und hier in Tabo befindet sich eines der drei aeltesten buddhistischen Kloester der Welt. Die neun Tempel, gebaut aus Lehm, wirken wir eine Stadt von Vorinkakulturen in Peru. Das Innere der Tempel ist atemberaubend: 1000 Jahre alte Malereien zieren die Waende, Daemonen bewachen die Eingaenge ins Innerste. Selten habe ich so eine Ausstrahlung in einem Hindu-Tempel oder einer Kirche gespuert.

Von Tabo mache ich einen Tagesausflug nach Dhankar, ein weiteres altes Kloster, gebaut auf bizarrem Sandstein in 3800m Hoehe. Das Tal, in dem sich diese Kloester befinden, liegt im Schatten eines fast 7000m hohen Gebirges. Das haelt Niederschlaege ab, Pflanzen gibt es keine, eine Steinwueste. Trotzdem beginnt es zu schneien, als ich den Bus verlasse und die 600 Hoehenmeter zum Kloster aufsteigen will. Oben angekommen, hat sich das Wetter zu einem heftigen Schneesturm entwickelt. An Zurueckgehen ist nicht zu denken. Ich uebernachte im freundlichen Gaestezimmer des Klosters, kann meine Klamotten an einem Holzofen trocknen und bekomme tibetisches Abendessen: Dampfbrot mit Bohnensuppe.

Am naechsten Tag hat der Schneesturm etwas nachgelassen. Da ich mein Gepaeck in Tabo habe, beschliesse ich die 24 km zu Fuss zurueckzuwandern - einen Bus wird es bei diesem Wettern nicht geben. Ich komme gut voran, aber erlebe die heftigsten Steinschlaege, die ich in meinem Leben gesehen habe. Felsbrocken, so gross wie Sitzbaelle, fliegen von den Berggipfeln durch die Luft, knallen auf die Strasse, springen wie ein Gummiball wieder auf und fallen in hohem Bogen in den Fluss. Ich taste mich vorsichtig an den gefaehrlichen Stellen vorbei, immer ein Auge an den Berghaengen. Nach 4 Stunden bin ich wieder in Tabo und bekomme einen Eimer heisses Wasser, um mich zu waschen.

Der Schnefall haelt 2 Tage an, es fallen bis zu einem halben Meter Neuschnee. In Folge sind fuer weitere 3 Tage die Strassen in beide Richtungen blockiert, so dass ich Tabo und seine Einwohner gut kennenlerne. Und erst jetzt einen Blog-Beitrag schreiben kann …