Klaus nicht zu Haus


Hausfrauenecke
April 29, 2008, 11:40 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Indien, Reisen, Thenthuk, Tibet

Es ist schon ein par Tage her, ich sass eingeschneit in Tabo, wie berichtet. Um den Tag zu strukturieren und meinen Hunger zu stillen, besuchte ich jeden Tag dreimal meine Lieblingskoeche. Auch das Restaurant war kalt, und so durfte ich mich des oefteren bei einer Tasse heissem Tee auf dem Sofa in der Kueche aufwaermen, und den beiden ueber die Schulter schauen. Deswegen nun das Rezept fuer eine leckere tibetische Nudelsuppe, genannt Thenthuk.

Fuer 2 Personen:

2 gehaeufte Handvoll Gerstenmehl (nichts anderes waechst mehr in der Hoehe, aber auch Weizenmehl ist OK) mit soviel Wasser vermischen, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Er solte sich ziehen lassen, ohne gleich zu reissen. In eine Plastiktuete geben und kurz ruhen lassen.

Nun brauchen wir 2 Handvoll fein geschnittenes Gemuese. Anteilig ist es zur Haelfte Weisskraut, 1/8 Karotte, 1/8 Rettich, 1/8 gruene Paprika und 1/8 rote Zwiebel. Ausserdem eine kleine Tomate. Aber natuerlcih sind Gemuesesorten und Mengenverhaeltnisse letztendlich dem eigenen Geschmack uberlassen. Auch Mangold statt Weisskraut ist eine leckere Alternative.

1 Knoblauchzehe und 1 entsprechend grosses Stuck Ingwer im Moerser zerstossen oder mit einem Nudelholz auf einem Brett zerdruecken. Das Gemuese in Oel kurz scharf anbraten, Knoblauch und Ingwer dazu und nochmals eine Minute roesten. Ca. 1 Liter Wasser dazugeben, etwas salzen und koecheln lassen.

Nun den Nudelteig in 2 Baelle teilen, in den Ball jeweils ein Loch druecken und mit den Fingern, den Teigring flachdrueckend und langziehend, daraus einen langen, kreisfoermigen, flachen Strang formen. Den Strang oeffnen, und nun schnell kleine, quadratische Stuecke davon abreissen und in die Bruehe werfen. Das kling kompliziert, geht aber mit etwas Uebung in weniger als 5 Minuten.

Die Suppe noch etwas ziehen lassen, dann in 2 grosse Schallen fuellen und schoen heiss servieren. Der naechste tibetische Winter kann kommen!



Eingesperrt
April 21, 2008, 2:41 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Himachal Pradesh, Indien, Reisen, Tibet

Dem Kommentar des treuen Lesers Walter entnehme ich, dass die Vermutung umgeht, ich haette meine Schreinbtaetigkeit eingestellt. Fakt ist, dass die letzten 10 Tage ohne Internetzugang waren.

Tabo, der Ort, an dem ich mich freiwillig und unfreiwillig aufgehalten habe, liegt im “indischen Tibet”. Die Grenze zu Tibet ist nicht viel mehr als 10 km entfernt. Sprache und Schrift sind tibetisch. Und hier in Tabo befindet sich eines der drei aeltesten buddhistischen Kloester der Welt. Die neun Tempel, gebaut aus Lehm, wirken wir eine Stadt von Vorinkakulturen in Peru. Das Innere der Tempel ist atemberaubend: 1000 Jahre alte Malereien zieren die Waende, Daemonen bewachen die Eingaenge ins Innerste. Selten habe ich so eine Ausstrahlung in einem Hindu-Tempel oder einer Kirche gespuert.

Von Tabo mache ich einen Tagesausflug nach Dhankar, ein weiteres altes Kloster, gebaut auf bizarrem Sandstein in 3800m Hoehe. Das Tal, in dem sich diese Kloester befinden, liegt im Schatten eines fast 7000m hohen Gebirges. Das haelt Niederschlaege ab, Pflanzen gibt es keine, eine Steinwueste. Trotzdem beginnt es zu schneien, als ich den Bus verlasse und die 600 Hoehenmeter zum Kloster aufsteigen will. Oben angekommen, hat sich das Wetter zu einem heftigen Schneesturm entwickelt. An Zurueckgehen ist nicht zu denken. Ich uebernachte im freundlichen Gaestezimmer des Klosters, kann meine Klamotten an einem Holzofen trocknen und bekomme tibetisches Abendessen: Dampfbrot mit Bohnensuppe.

Am naechsten Tag hat der Schneesturm etwas nachgelassen. Da ich mein Gepaeck in Tabo habe, beschliesse ich die 24 km zu Fuss zurueckzuwandern - einen Bus wird es bei diesem Wettern nicht geben. Ich komme gut voran, aber erlebe die heftigsten Steinschlaege, die ich in meinem Leben gesehen habe. Felsbrocken, so gross wie Sitzbaelle, fliegen von den Berggipfeln durch die Luft, knallen auf die Strasse, springen wie ein Gummiball wieder auf und fallen in hohem Bogen in den Fluss. Ich taste mich vorsichtig an den gefaehrlichen Stellen vorbei, immer ein Auge an den Berghaengen. Nach 4 Stunden bin ich wieder in Tabo und bekomme einen Eimer heisses Wasser, um mich zu waschen.

Der Schnefall haelt 2 Tage an, es fallen bis zu einem halben Meter Neuschnee. In Folge sind fuer weitere 3 Tage die Strassen in beide Richtungen blockiert, so dass ich Tabo und seine Einwohner gut kennenlerne. Und erst jetzt einen Blog-Beitrag schreiben kann …



Hindustan-Tibetan Highway
April 10, 2008, 8:32 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Himachal Pradesh, Indien, Reisen, Tibet

Inzwischen bin ich tief im Himalaya. Der Hindustan-Tibetan-Highway ist wie eine Nut in den Fels geschnitten - einige 100m unter ihm der Sutlej-River, der in Tibet in der Naehe des Mount Kailash entspringt, und durch eine tief eingeschnittene, mehr als 100 km lange Schlucht die 6000m hohen Kinnaur-Berge durchquert. Ueber ihm die vergletscherten Gipfel, die aber nur ab und zu aus der Schlucht heraus zu erkennen sind.

Leider wird diese wunderschoene Landschaft gerade durch riesige Stauseeprojekte teilweise zerstoert. Das energiehungrige Delhi braucht immer mehr Strom, und dazu werden alle verfuegbaren Fluesse angezapft und durch Rohrleitungen mit Stauseen und Kraftwerken vernetzt. Das alles befindet sich gerade in Bau, und das noch fuer die naechsten 10-20 Jahre.

Heute bin ich in Kalpa angekommen. Der Ort liegt auf 2900 m Hoehe und besteht aus ein paar engen Gassen, an die sich kleine, Schiefergedeckte Haeuser schmiegen. Die Waende bestehen aus einem Fachwerk aus Stein und Holz, was sie erdbenesicher machen soll.  Buddhismus und Hinduismus beginnen sich nun schon stark zu vermischen. Viele Der Hindu-Tempel sind auch Buddha - als einer Inkarnation Gottes - gewidmet, oder am zentralen Tempelplatz stehen hinduistische und buddhistische Tempel direkt nebeneinander.

Aus meinem Bett schaue ich direkt auf den ueber 6000m hohen Gipfel des Kinnaur-Kailash, ein spektakulaerer Anblick. Ich werde hier ein paar Tage wandern gehen, und dann entlang der tibetischen Grenze nach Tabo und Kaza fahren. Das dazu notwendig Innerline-Permit sollte ich heute bekommen - wenn alles klappt.



Free Tibet
März 21, 2008, 12:50 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Tibet

Die Nachrichten, die hier aus Tibet bei mir auflaufen, sind wirklich schrecklich. Tibet ist zwar noch einige 100 km entfernt, doch leben hier in der indischen Himalaya-Region ja viele Tibeter im Exil. So stiess ich auch die letzten Tage auf eine Wandzeitung, auf der aktuell und mit aus China geschmuggelten Bildern ueber die Ereignisse berichtet wurde.

Wer Interesse hat, kann auf Avaaz.org an einer Internet-Petition teilnehmen.