Klaus nicht zu Haus


Blick aus dem Fenster
März 5, 2008, 4:48 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Indien, Reisen

Ich wohne hier in Rishikesh in einem herrlichen Zimmer auf einer Steilklippe 20m ueber dem Ganges. Links blicke ich auf eine schmale Haengebruecke, die die beiden Ufer verbindet. Gegenueber reiht sich ein Ashram an den anderen.

Morgen ist ein wichtiger, Shiva gewidmeter Tag. In der Neumondnacht wird die Hochzeit zwischen Shiva und Parvati gefeiert. Seit einigen Tagen stroemen anwachsende Massen an Pilgern in die Stadt und zwaengen sich ueber die schmale Haengebruecke, beiseite gedraengt durch kreischende Hupen von Mofas, die den Platz auf der Bruecke fuer sich beanspruchen. Die Frauen sind in leuchtend gelbe, mangenta, orange und blaue Saris gehuellt. Affen hangeln sich an den Drahtseilen der Bruecke entlang und betteln. Ein dunkler Schatten unter der Wasseroberflaeche markiert die Stelle, an der grosse Fische auf heruntergeworfenes Futter warten.

Die Pilger besteigen die Tuerme der zwei groessten Ashrams gegenueber und schlagen an jedem Stockwerk eine der vielen Glocken an, uebertoent von der Musik aus Lautsprechern der uerberfuellten Pilgerbusse, die auf der Strasse am Berghang zum Neelkanth-Tempel fahren, ein wichtiges Ziel der Shivaratri- Pilgerfahrt.

Am Gangesufer nehmen manche Piger ein rituelles Bad an einer der vielen Badestellen. Daneben am Gangesstrand die von der Waescherei zum Trocknen ausgelegten Betttuecher. Kinder, die den ueberall ueber die Mauern geworfenen Muell nach verwertbarem dursuchen. Gefolgt von Affen, Kuehen und Ratten.

Das ist der Blick aus meinem Fenster.



Kaste, Krebs und Künstler
März 3, 2008, 4:36 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Indien, Reisen

Das Indien ein Kastenwesen hat, ist allgemein bekannt. Brahmanen (Priester), Kshatryias (Krieger), Vaishyas (Kaufleute) und Shudras (Handwerker, Bedienstete) bilden die schon in den mythologischen Schriften beschriebenen Kasten. Weniger bekannt ist, das sich die vier Kasten in hundert, wenn nicht tausende Jatis gliedern. Dabei sind die Jatis als soziale Gruppierungen wie Großfamilien oder Clans zu verstehen. Bei einer Volkszählung im Jahre 1881 zählten die Briten in Indien an die 2000 Jatis.

Einer anderen Form des Kastenwesens begegne ich, als ich mich auf der Homepage der indischen Bahn nach einer Zugverbindung erkundige. Ich stoße auf eine Liste von 65 verschiedenen Ermäßigungsgründen: vom Artist Lower Class, Artist Higher Class, über verschiedene Krankheitsstadien wie Cancer Patient, Kidney Patient, Heart Patient, Deaf and Dump, bis zur War Widow und dem Unemployed Youth for Interwiew zieht sich die Liste der möglichen Ermäßigungen. Oder der Zulassungen? Es handelt sich nämlich um eine Fare Concession, nicht eine Fare Reduction.

Aber es ist natürlich eine gute Sache, möglichst vielen Bedürftigen einen Preisnachlass bei der Zugfahrt zu gewähren. Trotzdem bin ich froh, mich nicht als TB- oder Lepra-Patient vor einem indischen Bahnbeamten outen zu müssen, als ich meine Zugfahrkarte von Delhi nach Rishikesh kaufe.



Stillstand in Delhi
März 2, 2008, 5:24 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Delhi, Indien, Reisen

Das keine Missverstaendnisse entstehen: Delhi steht alles andere als still. Hier herrscht ein Uebermass an Verkehr, Laerm, Geruechen, Menschen, Stimmen, Geschaeften … an Leben und Geschaeftigkeit. Als ich meinen Fuss das erste mal vom Hotel auf die Markstrasse Pahar Ganj setzte und Richtung Bahnhof wanderte, war ich nur noch darauf konzentriert, den Rikschas, Taxis, Kuehen und Menschen auszuweichen und alles andere auszublenden. Es waren einfach zu viele der Eindruecke, als das ich alle an mich heranlassen konnte.

Heute machte ich einen Spaziergang von New Delhi nach Old Delhi. Und wieder das gleiche Phaenomen: Ohren, Augen und Nase machten dicht und konzentrierten sich auf den Verkehr und das Vorwaertskommen. Ich beschloss auf der Eisenbahnbruecke stehen zu bleiben und meine Sinne zu oeffnen. Und siehe da: keiner sprach mich, an keiner ueberfuhr mich. Endlich begann ich meine Umwelt an mich heranzulassen und bisher Ubersehenes wahrzunehmen: Die Lastentraeger, die hochbeladene Karren ueber schlaggeloecherte Wege zerren und die Ladung verlieren, wenn sie die Kurve zu scharf nehmen; die streunenden Hunde auf der Suche nach Nahrung; die heimatlosen Kinder, die sich in dreckige Taschentuecher schnueffelnd berauschen und die Koepfe nach Laeusen absuchen; die buerokratischen Buerokraten, die im Schatten sitzen und Formulare in 5-facher Ausfertigung ausfuellen, waehrend die Lastentraeger in der Sonne schwitzen.

Ja, wenn ich von Indien mehr sehen will, muss ich stillstehen.



Los gehts
Februar 2, 2008, 3:43 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Reisen | Schlagworte: ,

Mein erster Blog überhaupt!

Anlass ist eine Reise nach Nord-Indien im März/April 2008. Der Blog wird kein Tagebuch sein, wie: heute morgen um 8 aufgestanden, gefrühstückt, Wetter gut, …
Sondern: in unregelmäßigen Abständen möchte ich über Erlebnisse, Erfahrungen, Beobachtetes, Bemerkenswertes oder Unspektakuläres berichten. Etwas, das in keinem Reiseführer steht. Das ist zumindest der gute Vorsatz.